Polizistin über den Dialog auf Augenhöhe

Fislisbach: Mit dem Format «Coffee with Cops» lud die Regionalpolizei Rohrdorferberg-Reusstal die Bevölkerung auf den Guggerplatz ein.
Vergangenen Samstag veranstaltete die Regionalpolizei Rohrdorferberg-Reusstal für die Bevölkerung einen eher aussergewöhnlichen Event auf dem Guggerplatz. «Im Rahmen von ‹Coffee with Cops› laden wir zu einem ungezwungenen Austausch bei einer Tasse Kaffee ein», begründet Roger Lenherr, Polizeichef der Regionalpolizei Rohrdorferberg-Reusstal, die Motivation des Anlasses. Die Einwohnerinnen und Einwohner von Fislisbach und Umgebung haben so die Gelegenheit, mit Polizistinnen und Polizisten persönlich ins Gespräch zu kommen, Fragen zu stellen und sich über die tägliche Polizeiarbeit auszutauschen. Dabei stünden nicht die Kontrolle, sondern die Begegnung und der direkte Kontakt zur Bevölkerung im Mittelpunkt, so Lenherr weiter.
Auch die Polizistin Marion Egloff war vor Ort und nahm am etwas mehr als zwei Stunden dauernden Anlass teil. Die 42-Jährige arbeitet seit bald sechs Jahren als Polizistin. Soeben ist sie von einer eintägigen Weiterbildung in Sachen Destabilisierungsgerät (Taser) zurückgekehrt. Die «Rundschau» hat im Vorfeld das Gespräch mit gesucht.
Einblicke in den Alltag
Marion Egloff arbeitete fünf Jahre bei der Stadtpolizei Zürich. So ist sie überzeugt, wer den Polizeialltag am Rohrdorferberg verstehen möchte, ziehe am besten den Vergleich zur Grossstadt. Der Wechsel von der Stadtpolizei Zürich in die Region zeigte ganz klare Unterschiede: Statt Anonymität prägen mittlerweile persönliche Begegnungen und Beständigkeit ihre tägliche Arbeit. «In einer Grossstadt ist man oft ein anonymer Teil einer grossen Struktur. Hier hingegen sind wir ein Teil der Gesellschaft», betont die Regionalpolizistin. Die Vertrautheit mit den örtlichen Gegebenheiten und den Menschen sei ein entscheidender Vorteil: «Das ermöglicht uns eine wesentlich gezieltere Polizeiarbeit, da wir Zusammenhänge schneller verstehen und auf eine Vertrauensbasis zurückgreifen können, die im urbanen Umfeld kaum existiert.»
Ihre Rolle in der ländlich geprägten Region versteht die Regionalpolizei vor allem als präventiv und unterstützend. Sie sieht sich als «Sicherheitsanker der Gesellschaft». Als erste Anlaufstelle, Beraterin und Vertrauensperson zugleich. Das Spektrum der Anliegen, mit denen die Bevölkerung im Alltag auf die Einsatzkräfte zukommt, ist breit gefächert. Es reicht von praktischen Fragen zu Verkehrsregelungen über Hinweise auf ungewöhnliche Beobachtungen im Quartier bis zu persönlichen Sorgen. Besonders die Verkehrssicherheit an Schulwegen, Geschwindigkeitsübertretungen in Wohnzonen sowie Einbruchschutz, Lärmbelästigungen und digitale Kriminalität beschäftigen die Bürgerinnen und Bürger am Rohrdorferberg. «Diese spontanen Kontakte sind für uns äusserst wertvoll, da wir so direkt erfahren, was die Menschen bewegt», führt die Polizistin aus.
Zwischen Präsenz und Empathie
Wie die Polizei wahrgenommen wird, hängt nicht zuletzt vom Rahmen der Begegnung ab. Während die Uniform eher für staatliche Ordnung sorgt und in Stresssituationen Beruhigung schafft, kann sie manchmal auch Distanz erzeugen. Um genau diese Hemmschwelle abzubauen, setzt die Regionalpolizei seit einigen Monaten in allen Gemeinden auf Formate wie «Coffee with Cops». Bei einem Kaffee treten die Polizistinnen und Polizisten nahbar auf Augenhöhe auf.
Dass der Beruf nicht nur aus Routine besteht, zeigen die emotional belastenden Momente des Polizeialltags. Besonders prägend sind Einsätze, bei denen ein Mensch sein Leben verliert. Sei es durch einen Unfall, einen Suizid oder eine natürliche Todesursache. In solchen Ausnahmesituationen liegt der Schwerpunkt auf der Betreuung der Angehörigen. «Das erfordert ein hohes Mass an Einfühlungsvermögen, gleichzeitig aber professionelle Distanz, um den Betroffenen eine stabile Unterstützung zu bieten und die Abläufe mit der erforderlichen Ruhe abzuhandeln», erklärt Marion Egloff.
Kritische Auseinandersetzungen gehören ebenfalls zum Berufsalltag. Bei Unverständnis gegenüber polizeilichen Massnahmen setzt die Beamtin auf aktives Zuhören und sachliche Erklärungen: «Wenn Menschen verstehen, warum eine Massnahme notwendig ist, schlägt Kritik meistens in Akzeptanz um.»
Dennoch gelte es, stets abzuwägen: Je nach Situation und Gegenüber brauche es manchmal ein bestimmteres Auftreten, um eine Lage zu beruhigen. In den letzten Jahren habe sich der Umgang der Bevölkerung mit der Polizei spürbar verändert. Es gebe eine höhere Erwartungshaltung an Transparenz und Kommunikation, gleichzeitig sei die Wertschätzung für die regionale Verankerung gestiegen. Für die Zukunft sieht die Regionalpolizistin den Schlüssel zum Erfolg in der stetigen Pflege der Beziehung zur Bevölkerung.
«Vertrauen entsteht nicht durch Vorschriften, sondern durch Begegnungen», bringt Marion Egloff es auf den Punkt. Ob bei der Verkehrserziehung von Schulkindern oder der Einbruchschutzberatung für Hauseigentümer. Das gegenseitige Vertrauen sei das Fundament für eine sichere Region.
«Coffee with Cops»
«Was mich an diesen Begegnungen auf dem Guggerplatz persönlich am meisten berührt, ist die Welle an ehrlicher Dankbarkeit und Wertschätzung. Viele Bürgerinnen und Bürger kommen bewusst vorbei, um Danke zu sagen», so Marion Egloff. Für den täglichen Einsatz, für das Sicherheitsgefühl in der Region oder schlicht dafür, dass man sich Zeit für ihre Sorgen nehme. Diese Treffen zeigen jedes Mal aufs Neue, dass Sicherheit nicht nur durch Gesetze und Kontrollen entsteht, sondern vor allem durch Vertrauen und Nähe. Und manchmal braucht es für dieses Vertrauen gar nicht viel mehr als ein gutes Gespräch und einen heissen Kaffee.