Innovationskraft dank langer Expertise

Während Malin Malgaroli Fragen beantwortet, entsteht im Vordergrund ein Paar Schuheinlagen im 3D-Drucker.

Während Malin Malgaroli Fragen beantwortet, entsteht im Vordergrund ein Paar Schuheinlagen im 3D-Drucker.

Malin Malgaroli stellte in Dättwil die Vision von Moxxis vor. Bilder: Alex Spichale

Malin Malgaroli stellte in Dättwil die Vision von Moxxis vor. Bilder: Alex Spichale

Baden: Im Fokus des Netzwerkanlasses «Über den Tellerrand» stand das Badener Unternehmen Moxxis, das derzeit weltweit für Wirbel sorgt.

Seit 2015 lädt die Kontaktstelle Wirtschaft der Stadt Baden Unternehmerinnen und Unternehmer aus der Region einmal im Jahr zum Netzwerkanlass «Über den Tellerrand» im Stadtteil Dättwil ein. Gemeinsam mit dem Veranstaltungspartner Health Innovation Hub Aargau will der Event den branchenübergreifenden Austausch fördern, schwerpunktmässig in den Bereichen Medtech und Gesundheit. Beim diesjährigen Anlass am 21. Oktober gab Malin Malgaroli den ungefähr 120 Teilnehmenden einen Einblick in die Entstehungs- und bisherige Erfolgsgeschichte von Moxxis, einem Spin-off des etablierten Badener Familienunternehmens Orthopodo Malgaroli.

Gastreferentin Malin Malgaroli ist Geschäftsführerin und Mitbegründerin von Moxxis. In ihren Ausführungen zeigte sie auf, wie sich aus der langjährigen Erfahrung des Familienunternehmens Orthopodo Malgaroli ein erfolgreiches Spin-off herauskristallisierte. Das Unternehmen, das seinen Hauptsitz heute am Lindenplatz in Baden hat, verbindet in der neuen Firma Moxxis über 35 Jahre orthopädische Erfahrung mit KI-gestützter Ganganalyse und 3D-Druck. Dank dieser Vernetzung und jahrelanger Forschung ist Moxxis heute in der Lage, individuelle Schuheinlagen zu drucken.

Branche entstauben

Das Geschäftsmodell von Moxxis basiert auf einem innovativen 3D-Drucker, der ein Paar Schuheinlagen in unter einer Stunde herzustellen vermag. Das beinahe handliche Gerät ist damit weit von seinen eigenen Anfängen entfernt. Bereits 2019 begann man bei Orthopodo Malgaroli, den Wechsel von computergesteuerten Fräsen zu 3D-Druckern zu vollziehen, um Schuheinlagen zu fertigen. «Wir sind mit dem Ziel angetreten, die Orthopädie zu entstauben», erinnerte sich Malin Malgaroli. «Damals dauerte ein Druck aber noch über 18 Stunden.» Die Tochter des Firmengründers Mario Malgaroli hat erst vor Kurzem ihr Masterstudium in Business Innovation an der Universität St. Gallen abgeschlossen. Als Leiterin Strategische Projekte bei Orthopodo Malgaroli und CEO des vor rund zwei Jahren gegründeten Spin-off war sie massgeblich an der Weiterentwicklung der Technologie beteiligt, mit der Moxxis nun international an den Start geht.

Inzwischen hat sich das Badener Familienunternehmen den Traum von einer modernen, ressourcenschonenden und staubfreien Orthopädie selbst erfüllt. Durch die Einführung des 3D-Drucks wurde der Produktionsabfall gegenüber der herkömmlichen Fräsfertigung um über 90 Prozent reduziert und gleichzeitig eine präzise, reproduzierbare und vollständig digitale Herstellung orthopädischer Einlagen ermöglicht.

Die eigentliche Innovation, die dem Geschäftsmodell von Moxxis zugrunde liegt, ist die Entwicklung eigener Multi-Material-3D-Drucker. Diese ermöglichen die gleichzeitige Verarbeitung von Materialien mit unterschiedlichen Härtegraden und damit die Herstellung von Einlagen mit gezielt weicheren und härteren Bereichen. Dadurch können individuelle medizinische Anforderungen differenziert berücksichtigt werden. Dazu werden gemeinsam mit der FHNW eigens neuartige, in der Schweiz hergestellte Filamente entwickelt.

Auch die Software für die Einlagenversorgung wurde kontinuierlich weiterentwickelt. Im Rahmen eines eigenen digitalen Workflows analysieren KI-gestützte Algorithmen Kraftmessungen und Fussdaten, interpretieren diese und überführen sie in personalisierte Einlagendesigns. Insbesondere hier flossen sowohl die langjährige fachliche Erfahrung aus der Orthopädie als auch die im Laufe der Zeit erhobenen Daten ein. Inzwischen wurden über 45 000 Paar 3D-gedruckte Einlagen hergestellt.

Hilfe von der Schulbank

Neben der eigenen Expertise konnte das Team von Orthopodo Malgaroli dabei auf externe Hilfe zählen. Zusammen mit dem Hightech-Zentrum Aargau und der Hochschule für Life Sciences FHNW wurden zahlreiche Forschungsprojekte durchgeführt. Dabei entstanden neue Materialien und technische Lösungen, dank deren die Bestrebungen von Moxxis erst praktikabel wurden. «Die Entwicklung neuer Produkte gelingt nicht im Alleingang. Erst die Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen, Expertinnen und Experten sowie Vertriebspartnern schafft die Voraussetzungen, um Ideen erfolgreich in den Markt zu bringen», betonte Malin Malgaroli. «Regionale Netzwerke spielen dabei eine entscheidende Rolle.»

Nach mehreren Jahren des Tüftelns und unzähligen Anpassungen war die neue Technologie so weit: Die neuen Drucker sind leicht zu transportieren und können ein Paar Schuheinlagen in nützlicher Frist herstellen. Gleichzeitig wurde die notwendige Messtechnologie weiterentwickelt. Dadurch können nun innert kurzer Zeit präzise digitale Modelle von Füssen erstellt werden, die als Vorlage für die Schuheinlagen dienen. Im Sommer 2025 startete Moxxis einen einjährigen Testlauf unter realen Bedingungen. Im Davoser Sportgeschäft Angerer druckte Moxxis seine ersten individuellen Schuheinlagen für Kundinnen und Kunden.

Äusserst gefragt

Erst im Sommer 2026 ging Moxxis mit seinem Angebot an die breite Öffentlichkeit und kann sich vor Anfragen seither kaum retten. Ein Video zum Moxxis-Prozess erzielte auf Instagram innert kürzester Zeit knapp zwei Millionen Aufrufe. In den ersten Monaten nach dem Aufschalten der Website erreichten das Unternehmen Hunderte von Anfragen aus bisher über 50 Ländern weltweit. Sowohl im Spitzensport als auch im Bereich Gesundheit scheint es so, als hätte die Welt nur auf die Innovation aus Baden gewartet. Seit August 2026 ist Moxxis mit Partnern in Deutschland und Slowenien aktiv, seit September in den Niederlanden. «Damit haben wir unsere internationale Expansion etwas früher begonnen, als wir das von uns aus getan hätten», gestand Malin Malgaroli. Ab November folgt Österreich, ein Ende ist nicht abzusehen.

Im an- und abschliessenden Gespräch diskutierten Malin Malgaroli, Beat Bachmann, stellvertretender Geschäftsführer des Hightech-Zentrums Aargau, und Daniel Seiler, Medtech-Experte und Lab Leader Medical Additive Manufacturing FHNW Life Sciences, über die Voraussetzungen erfolgreicher Innovationen und die Bedeutung regionaler Netzwerke.