Ein spannender Krimi ohne Mord

Mit seinem Debütroman hat sich Axel Stamm zu seinem 50.Geburtstag selber ein Geschenk gemacht.Bild: Ursula Burgherr
Mit seinem Debütroman hat sich Axel Stamm zu seinem 50.Geburtstag selber ein Geschenk gemacht. Bild: Ursula Burgherr

Baden: Axel Stamm, Facharzt für orthopädische Chirurgie, hat ein Buch geschrieben. Nicht etwa ein Fachbuch, sondern einen Roman.

Der Roman «Kommissar Panowski» von Axel Stamm spielt zwar in der Bretagne. Aber der Untertitel «Kein Bretagne-Krimi» bringt es gleich auf den Punkt: Es geht nicht wie in diesem Genre sonst üblich um einen spannenden Kriminalfall mit einem schwer zu lösenden Mord. Hauptprotagonistin ist eine Kommissarin, die es im Rahmen eines Austauschprogramms vom schwäbischen Holzgerlingen in eine bretonische Kleinstadt verschlägt. Und sich dort praktisch ohne Sprachkenntnisse durchschlagen muss. Wobei der wortkarge Dienststellenleiter, mit dem sie sich konfrontiert sieht, nicht gerade hilfreich ist. Zumindest anfänglich.

Viel Action gibt es im Buch nicht. Und trotzdem ist es spannend. Denn Axel Stamm weiss seine Figuren samt ihren Geheimnissen, unausgesprochenen Konflikten und inneren Monologen so authentisch und greifbar zu beschreiben, dass die Leserschaft sofort eine Beziehung zu ihnen aufbauen kann. Es geht um die kleinen Dinge, die zwischen Menschen passieren, ohne dass sie ausgesprochen werden. Gleichzeitig gibt es viel über die eigenwillige Mentalität der Bretonen zu erfahren. Oft sind es gerade die kleinen Schwächen oder die skurrilen Eigenarten der Charaktere, die einen beim Lesen laut auflachen lassen.

Arzt, Autor und Hundepapa

Mit seinem Debütroman «Kommissar Panowski» hat sich Axel Stamm zu seinem 50. Geburtstag selbst ein Geschenk gemacht. Gerade einmal sechs Wochen dauerte es, bis das 263 Seiten starke Werk fertig war. «In meinem Kopf existiert es aber schon seit zwei Jahren», erzählt er. Das Interview findet in der Praxis Gleis 6 in Baden statt, wo der gebürtige Deutsche, der in Windisch lebt, als orthopädischer Chirurg arbeitet und seit 2021 ein Team von sechs Fachärzten und zehn Physiotherapeuten leitet. Wie viele Ärzte verzichtet er auf den klassischen weissen Kittel und tritt auch sonst sehr unkonventionell auf. Seine langen Haare sind zu einem Dutt zusammengebunden. Er trägt knielange Jeansshorts. Seine Arme sind tätowiert – ein Anker steht für Heimat, ein Schiff für das Unterwegssein. Er sieht sich vorwiegend als Mensch und nicht als Akademiker.

Geschrieben hat er an seiner Geschichte, als seine Frau eine Pilgerreise auf dem Jakobsweg machte. «Sie wusste nichts davon und war ganz schön überrascht, als ich ihr das Buch vorlegte», sagt er und fügt hinzu, «in einigen Charakterzügen der Hauptprotagonistin hat sie sich wiedererkannt.» Auch ein Hund kommt in der Handlung vor, der seinem eigenen Vierbeiner ähnelt. Laika ist ein rumänischer Strassenmischling, und Axel Stamm bezeichnet sich als leidenschaftlicher Hundepapa.

Medizin hatte Vorrang

Eigentlich wollte Stamm Germanistik studieren. Im Zivildienst arbeitete er 13 Monate in der Pflege und fing Feuer für die Medizin. Nach seinem Studium im deutschen Freiburg absolvierte er sein erstes Berufsjahr am Kantonsspital Baden in der Chirurgie und arbeitete anschliessend in Spitälern in Basel und Bern, wo er sich schliesslich auf Orthopädie spezialisierte.

Nach einigen Jahren in Deutschland kam er 2017 zurück in die Schweiz und eröffnete in Baden eine Einzelpraxis, bevor er im Nordhaus die grosse Gemeinschaftspraxis Gleis 6 gründete. Mit seinem Roman «Kommissar Panowski» hat Axel Stamm die Leidenschaft für die Sprache wiederentdeckt.

«Die Grenzen der Sprache sind die Grenzen einer Welt»: Dieses Zitat des Philosophen Ludwig Wittgenstein hat Axel Stamm nachhaltig geprägt. «Wir können nur über das klar nachdenken und sprechen, wofür wir Worte haben», meint Stamm.

Er spendet den gesamten Autorenerlös von «Kommissar Panowski» dem Verein Aprimo, der sich in der Schweiz und in Liechtenstein für die frühe Förderung und die Sprachentwicklung von sozial schwach gestellten Kindern im Vorschulalter einsetzt. «Meine Schwester ist Lehrerin und hat schon vernachlässigte Schulanfängerinnen und -anfänger aus problematischen Familien erlebt, die mit sechs Jahren noch kaum ein Wort gesprochen haben», erzählt er.

Axel Stamm hat ein grosses Herz. In seiner kleinen Werkstatt stellt der Hobbyschreiner Schneidebretter und andere Holzgegenstände her, deren Verkaufserlös einem Kinderhilfswerk in Kenia und einem Tierschutzverein in Rumänien zugutekommt. «Mir geht es gut, und es ist wichtig, etwas zurückzugeben. Man kann mit wenig so viel bewirken», sagt der Philanthrop.

Bei seinem Debütroman soll es nicht bleiben. «Das nächste Buch ist bereits in der Pipeline», verrät er, und seine Augen funkeln.

«Kommissar Panowski» ist im Autoren-Verlag Litego erschienen und für 33.90 Franken in der Badener Buchhandlung Librium erhältlich.