Surbtaler KMU mit globaler Ausstrahlung

Vanessa Peterhans-Huber und Marc Huber bekamen von Matthias Friedli, dem Präsidenten des Gewerbevereins Surbtal, ein Brotmesser, während die abtretende Seniorchefin Silvia Huber mit einem Blumenstrauss beschenkt wurde.Bild: bKr
Vanessa Peterhans-Huber und Marc Huber bekamen von Matthias Friedli, dem Präsidenten des Gewerbevereins Surbtal, ein Brotmesser, während die abtretende Seniorchefin Silvia Huber mit einem Blumenstrauss beschenkt wurde.Bild: bKr

Lengnau Die Produkte der Domaco AG werden in 40 Länder geliefert. Die meisten Bonbons und Pastillen tragen die Namen der Kundschaft.

Tradition und Innovation sind Pfeiler des Erfolgs regionaler Gewerbebetriebe. Im Zurzibiet gehören zur Tradition regelmässige Treffen der Gewerbevereine Surbtal, Aaretal-Kirchspiel, Rheintal-Studenland sowie des Gewerbe- und Industrievereins Würenlingen. Sie sind jeweils mit Informationen, mit der Besichtigung eines innovativen Unternehmens sowie einem geselligen Abendessen verbunden. Diese Woche lud der Gewerbeverein Surbtal in den Räumlichkeiten der Domaco AG in Lengnau ein.

Dass dieses Familienunternehmen der Bevölkerung seine Tore öffnet, geschieht eher selten. Entsprechend gross war das Interesse der Gwerblerinnen und Gwerbler. Rund 160 brachten die Veranstalter in eine «Notlage», musste Matthias Friedli, Präsident des Gewerbevereins Surbtal, eingestehen. Statt mit Apéro, Grussadresse und Informationen über die Firma begann der Abend mit Führungen durch die Produktionsräumlichkeiten. Diese mussten aus Hygienegründen mit Schutzmantel, Schuhüberzug und Kopfhaube absolviert werden. Produziert werden in den Hallen Instantgetränkepulver, Tabletten, Hartbonbons, Weichpastillen – zu denen Gummibärli gehören – vegan oder auf Basis von Rindergelatine sowie Gummi arabicum. Letzteres sei derzeit nicht leicht zu bekommen, erzählt Produktionschef Claudio Kohler: «Gummi arabicum stammt aus dem Sudan, wo derzeit Bürgerkrieg herrscht.» Stolz ist man im Bereich der Tabletten auf die Tatsache, dass bei Domaco solche aus reinem Traubenzucker hergestellt werden, was weitgehend ein Alleinstellungmerkmal ist. Da diese meist mit Vitaminen angereichert sind, füllt man sie oft in Kunststoffdosen mit Kindersicherung ab.

Viel Handarbeit

Apropos Verpackung. In der entsprechenden Abteilung wird sehr viel von Hand gearbeitet. «Wir können auf diese Weise jeden Kundenwunsch erfüllen», sagt Kohler. Beim Grossteil der auf modernsten Anlagen bewerkstelligten Produktion geht es um die Herstellung von Eigenmarken der Kundinnen und Kunden. So dürfte nahezu in jedem Grossverteiler ein Stück Surbtal stehen. Geliefert wird in 40 Länder auf allen fünf Kontinenten. «Das Wissen zu unseren Produkten wird seit 1922 kultiviert und laufend weiterentwickelt», stellt Kohler nicht ohne Stolz fest.

200 Angestellte

Nach einem Apéro präsentierten Vanessa Peterhans-Huber und Marc Huber ihre Firma, die etwa 200 Personen aus 19 Herkunftsländern beschäftigt. Das Familienunternehmen durfte im Sommer bekannt geben, dass Vanessa und Marc die Nachfolge ihrer Mutter Silvia Huber in der Leitung Domaco AG übernommen haben. Spannend ist die Geschichte hinter dem Unternehmen. Am Anfang stand ein Arzt, Doktor Aufdermaur, der mit selbst hergestellten Kräutertabletten Erkältungskrankheiten bekämpfte und sein Produkt via Dorfladen und Apotheken vertrieb. 1947 stellte er mit Alfons Meier – dem Vater von Silvia Huber – einen Bonbonfachmann ein, der im Gegensatz zum Firmenbesitzer expandiere wollte. Er übernahm den Kleinbetrieb und brachte diesen mit Innovationen auf Wachstumskurs. So erfand er einen Prozess, mit dem er getrocknete Kräuter in lösliche Form bringen konnte. 1969 die ersten zuckerfreien Pfefferminztabletten, 1974 die Lancierung des Instant-Eistees. 1982 schliesslich die neuen Produktionsanlagen in Lengnau. Insgesamt verfügt die Firma heute über mehr als 1400 Rezepturen und entwickelt laufend neue.

Beendet wurde der informationsreiche Abend mit einem Essen, das aufgrund der Teilnehmerzahl als Stehlunch stattfand – eine Form, die den Vorteil hat, das sie das Networking der Gewerbevertreterinnen und -vertreter vereinfachte.