Preisträger in der Dorfschüür
Würenlingen: Einblick in ein Langzeitprojekt

Würenlingen: Einblick in ein Langzeitprojekt
In Begleitung des Musikers Mattia Facchini führte Autor Markus Bundi in der Dorfschüür Würenlingen das Hörspiel «Heutungen» auf.
Im August erhielt der Badener Autor Markus Bundi den mit 20 000 Franken dotierten Anerkennungspreis des Aargauer Kuratoriums überreicht, und zwar mit «grossem Bahnhof» in der Reithalle Aarau und der Teilnahme von Regierungsrätin und Kulturdirektorin Martina Bircher. Bundis erster öffentlicher Auftritt danach war weniger prätentiös: Im intimen Rahmen der Kulturräume im Wohnteil der Würenlinger Dorfschüür las er am vergangenen Donnerstagabend Texte, die er speziell auf die Ausstellung «1823 Tage» von Claudius Fischer abgestimmt hatte. Die beiden verbindet eine langjährige Künstlerfreundschaft. Begleitet wurde Bundi von Musiker Mattia Facchini an der Klarinette.
Wie Fischer, der seit Anfang des Jahres 2020 täglich ein Blatt eines Abreisskalenders bemale, setze Bundi auf kleine Formate, sagte Monika Thut Birchmeier vom Kulturkreis Würenlingen. Es gebe keine 500-seitigen Bücher von ihm. In der ehemaligen Wohnstube mit Kachelofen und alten Balken nahm das Hörspiel seinen Lauf. «Jeden Tag eine Bringschuld, das Vergessen hört nicht auf – auch morgen möchte ich alles zusammenreimen», begann Bundi. Wort und Klänge wechselten sich ab und verwoben sich. Wie der Titel «Heutungen» andeutet, ging es um den Gedanken des «Carpe diem», den Tag bewusst zu erleben.
Bundi und Facchini nahmen das Publikum mit auf eine Gedankenreise. «Säuglings, bäuchlings, rittlings, bücklings, meuchlings», las Bundi zum Klangteppich der Klarinette. Mit Sätzen wie «Hätte der Elefant statt eines Rüssels freie Hand, wir wären längst ausgestorben» regte er die Fantasie an. Facchini beeindruckte mit lang ausgehaltenen Tönen und einem Wechsel von kräftigen Passagen bis zum kaum hörbaren Pianississimo. Nur einige vorbeifahrende Autos, ein Kameraklicken und ein klingelndes Handy störten die Konzentration.
Lehrer, Journalist und Verleger
Markus Bundi wurde 1969 in Wettingen geboren und wuchs in Nussbaumen auf. Heute lebt er in Neuenhof und unterrichtet an der Alten Kantonsschule Aarau Philosophie und Deutsch. Er studierte in Zürich Philosophie, Neue Deutsche Literatur und Linguistik und arbeitete bis 2005 als Kulturredaktor für die «Aargauer Zeitung». Das Aargauer Kuratorium würdigt neben seiner eigenen schriftstellerischen Tätigkeit insbesondere sein Engagement für die literarische Vermittlung – als Lehrer, Journalist und Verleger. Unter anderem betreute er die Werkausgabe von Klaus Merz und war an der Herausgabe von «Die Reihe» beteiligt, die 72 Gedichtbände umfasst.
Mit dem Anerkennungspreis wird sein langjähriges Engagement für die Förderung literarischer Vermittlungsformen ausgezeichnet. Bundi selbst sagt dazu: «Wenn ich das richtig verstehe, werde ich dafür ausgezeichnet, andere Menschen anzustecken, zum Beispiel mit Literatur. Das ist ziemlich verrückt.»
Die Ausstellung «1823 Tage» in der Dorfschüür Würenlingen ist noch bis zum 13. September von Freitag bis Sonntag geöffnet.zVg