Kupfernes Kunstwerk aus einer Erbschaft

Baden: Seit einigen Tagen ziert ein Modell der Spanisch-Brötli-Bahn das Stadtbistro Isebähnli in Baden. Es stammt aus einer Erbschaft.
Mit der Eröffnung der ersten Bahnlinie begann für die Schweiz ein neues Zeitalter. Genau um 13 Uhr am 7. August 1847 verliess der Eröffnungszug den Hauptbahnhof Zürich. 45 Minuten später traf die Spanisch-Brötli-Bahn in Baden ein. So konnten die Spanisch Brötli – eine Badener Blätterteigspezialität – vornehmlich am Sonntag frisch nach Zürich gebracht werden. Überall in Europa war zu dieser Zeit das Eisenbahnfieber ausgebrochen.
Im August 1937, 90 Jahre nach der Eröffnung der Schweizerischen Nordbahn zwischen Zürich und Baden, fand die erste grosse Badenfahrt statt. Im Hinblick auf diesen Grossanlass baute die technische Gesellschaft Baden einen Fordson-Traktor als Spanisch-Brötli-Bahn für den Verkehr auf der Strasse um. Die Karosserie für die Lok konstruierte die Badener Firma Demuth und Bölsterli. Bau und Betrieb kosteten damals 6142 Franken. Über all die Jahre galt das massstabgetreue Modell der Bahn als Wahrzeichen der Badenfahrt und steht seit über 80 Jahren im Einsatz.
2002 übernahm die Stadt Baden die Bahn vom Badenfahrt-Komitee, sicherte deren Erhalt und investierte 75 000 Franken in eine grosse Revision. Durch einen Vertrag mit dem Stadtturnverein (STV) wurde der Betrieb sichergestellt. Damit konnte der Einsatz bei der Badenfahrt ausserdem für eine Vielzahl anderer Anlässe gewährleistet werden. Aufgrund von Sparmassnahmen beschloss der Stadtrat im Dezember 2017 jedoch, den Betrieb und den kostenintensiven Unterhalt einzustellen.
Rettung stand im Vordergrund
Obwohl dieser Beschluss für Hansruedi Hagen, den damaligen Präsidenten des STV Baden, nachvollziehbar war, wollte er ihn nicht einfach hinnehmen. Im Wissen um die Tatsache, dass die Übernahme der Bahn für den STV nicht infrage kam, versuchte er, verschiedene Vereine für das Vorhaben zu gewinnen, um den Betrieb der Spanisch-Brötli-Bahn künftig gemeinsam sicherzustellen.
Nach Zusagen der Citycom Baden und des Badenfahrt-Komitees wurde zu diesem Zweck der Verein Spanisch-Brötli-Bahn gegründet. Dieser sorgt nun dafür, dass die Spanisch-Brötli-Bahn weiter durch Badens Strassen rollt. «Seit der Übernahme im Jahr 2019 und der Elektrifizierung 2021 haben wir mit der Bahn über 250 Rundfahrten in der Stadt und in angrenzenden Gemeinden durchgeführt», sagt Fahrerchef Hansruedi Hagen vom Verein Spanisch-Brötli-Bahn. «Jährlich sind wir an rund 35 Anlässen präsent und werden im Auftrag des Organisationskomitees anlässlich der Badenfahrt 2027 wiederum tägliche Gratisfahrten veranstalten.»
Die letzten Gratisfahrten in diesem Jahr gibt es am 31. Oktober von 14 bis 16 Uhr. Auf dem Schlossbergplatz können Interessierte immer wieder für eine Rundfahrt einsteigen. «Zum Einsatzteam des Vereins gehören 12 Fahrerinnen und Fahrer. Weitere 14 Helfende sind für den technischen Service sowie den Betrieb und den Unterhalt verantwortlich», erklärt Hansruedi Hagen.
Als Kontaktstelle wird der Verein Spanisch-Brötli-Bahn nach wie vor von der Stadt unterstützt. Dank Spenden, Sponsorinnen und Sponsoren sowie Beiträgen von ungefähr 200 Gönnerinnen und Gönnern weist der Verein gesunde Finanzen aus. Dazu tragen die Einnahmen aus den Rundfahrten bei.
Leihgabe an das Stadtbistro Isebähnli
Im Juni 2018 erhielt die Ortbürgergemeinde Baden von einem Ortsbürger, der nicht genannt werden will, ein aus dem Jahr 1978 stammendes Modell der Spanisch-Brötli-Bahn, das in der Wartehalle des Bahnhofs Baden ausgestellt wurde.
Nun wurde der Verein erneut mit einem Unikat bedacht. Das aus der Erbschaft einer Privatperson aus Lenzburg stammende, in Kupfer geschaffene Kunstwerk wurde im Beisein von Urs F. Meier, der bis im März dem Museum Burghalde in Lenzburg als Präsident des Stiftungsrats vorstand, und Hansruedi Hagen an Sandra Weidner und Stefan Geisser vom Stadtbistro Isebähnli übergeben. Urs F. Meier ist es zudem zu verdanken, dass das etwa 2,5 Meter lange Kunstwerk den Weg nach Baden fand. Stefan Geisser und Sandra Weidner zeigten sich erfreut darüber, dass ihnen das Gastrecht für das Badener Wahrzeichen zufiel. Seither hätten sich zahlreiche Gäste positiv zu dem Werk geäussert.
Da nicht bekannt ist, wer das Kunstwerk einst hergestellt hat, hofft der Verein auf Hinweise aus der Bevölkerung. Wer dazu Angaben machen kann, ist gebeten, sich bei Hansruedi Hagen zu melden (079 508 66 54).