Bühnenspiel mit der Wirklichkeit
Freienwil: Grenzen erforschen und überwinden

Freienwil: Grenzen erforschen und überwinden
In Freienwil erforschte das Duo Hart auf Hart feinsinnige Unterschiede und sprachliche Abgründe zwischen der Schweiz und Deutschland.
Am Freitagabend stand in Freienwil ein Höhepunkt im diesjährigen Kulturprogramm des Einwohnervereins auf dem Programm. Das Duo Hart auf Hart war mit «Wollen Sie wippen?» zu Gast im Saal über dem «Weissen Wind». Das Duo besteht aus Rhaban Straumann und Elisabeth Hart. Hart ist Schauspielerin, Autorin und Satirikerin aus Leipzig. Straumann ist Schauspieler, Autor und Satiriker aus Olten. Die beiden Kunstschaffenden sind zudem abseits des Rampenlichts ein Team und ein Paar. Die deutsch-schweizerische Grenze auch auf der Bühne überwindend, intensivierten sie während der Pandemie vor sechs Jahren ihre Zusammenarbeit. In jener Zeit realisierte das Paar mehrere Projekte, mit denen es nun seit einigen Jahren in Deutschland und in der Schweiz auftritt.
Der Abend in Freienwil war Ergebnis der letztjährigen offiziellen Bundesfeier. Damals trat Rhaban Straumann als Festredner auf. «Das hat mir so gefallen, dass ich ihn unbedingt fragen musste, ob er auch bei uns im ‹Weissen Wind› auftritt», rekapitulierte Melanie Maxton, Präsidentin des Einwohnervereins Freienwil, in ihrer Begrüssungsansprache. Trotz sofortiger Zusage hat es am Ende über ein Jahr gedauert, bis Rhaban Straumann nach Freienwil zurückkehrte, dafür mit seiner Bühnenpartnerin Elisabeth Hart.
Völkerverständigung auf tiefster Ebene
Mit im Gepäck hatten sie ihr mehrfach ausgezeichnetes satirisches Kammerspiel «Wollen Sie wippen?». Darin widmet sich das Duo den Gemeinsamkeiten und Unterschieden in der Mentalität der beiden Nachbarländer.
Die Auslegeordnung für das Stück und für die Aufführung in Freienwil war denkbar einfach. Hart auf Hart benötigte lediglich zwei Stühle, einen Tisch, um den fast bis auf den letzten Platz besetzten Saal mit viel Wortwitz knapp 90 Minuten lang in seinen Bann zu ziehen. Die Deutschland-Schweiz-Satire erzählt die Geschichte einer Zufallsbegegnung, aus der langsam mehr wird.
Das Stück handelt von einem Schweizer und einer Deutschen, die sich an einem Montag auf einem Spielplatz begegnen. Sie arbeitet dort an einer Langzeitstudie, er ist gekommen, um sich in seinem Beschluss, keine Kinder zu haben, zu bestärken. Im Laufe vieler Montage, an denen sich die beiden langsam näherkommen, stossen sie auf unzählige kleine bis kuriose Unterschiede in der Denk- und Sprechweise der beiden Nachbarländer Schweiz und Deutschland. Diese sorgen auf dem Spielplatz teils für Erheiterung, teils für Verwirrung und Kopfschütteln. Auf jeden Fall bietet die Ergründung dieser Differenzen kurzweilige Unterhaltung für das Publikum.
Theater auf zwei Stufen
Neben der eigentlichen Handlung bot «Wollen Sie wippen?» einen zweiten Handlungsstrang, der im Publikum ebenfalls immer wieder für Lacher sorgte. Denn für das Stück habe das Duo kein grosses Theater aus dem Lernen der Texte gemacht, wie Rhaban Straumann ausführte. Stattdessen lasen Hart und Straumann das Stück einfach vor, «samt Regieanweisungen und Interpretationen». Das Geplänkel zwischen den Szenen eröffnet eine Metaebene, in denen die Deutsche Elisabeth Hart und der Schweizer Rhaban Straumann das Stück kommentieren und kritisch begleiten. Schliesslich befinden sie sich in einer ähnlichen Ausgangslage wie die beiden Protagonisten.
Auf dieser Handlungsebene lassen die beiden deshalb auch ihren Alltag einfliessen und erlauben einen kurzen Einblick in ein Leben über Landesgrenzen hinweg. Das Duo Hart auf Hart tritt mit seinen Programmen immer wieder in der Region auf. Wer den Auftritt in Freienwil verpasst hat, aber auf den Geschmack gekommen ist, hat wohl bald wieder Gelegenheit, das Duo in Aktion zu erleben.